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Projekt EVITA

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EValuation Innovativer Therapeutischer Alternativen

Ein Instrument zur Bewertung neuer Arzneimittel hinsichtlich des klinischen Fortschritts

EVITA ist ein Projekt des HTA-Zentrums Bremen.
Es wurde gefördert durch den GKV-Spitzenverband.

 

HINTERGRUND

Viele neu zugelassene Arzneimittel werden als therapeutische Innovationen deklariert. Aus den Zulassungsstudien ist jedoch häufig kein substantieller Vorteil für die Patienten erkennbar. Teilweise werden nur Surrogatzielgrößen untersucht, teilweise werden angesichts bestehender therapeutischer Standards inadäquate Kontrollgruppen gewählt. Vor diesem Hintergrund wurde mit EVITA ein rasch anzuwendendes und transparentes Verfahren zur frühzeitigen Bewertung des Mehrwerts neuer Wirkstoffe entwickelt.
Die Stärken von EVITA bestehen in einer zur Markteinführung zeitnahen Bewertung und der Möglichkeit schneller Wiederholungsbewertungen bei Änderung der Datenlage. Gleichzeitig weist EVITA auch auf typische Defizite der Zulassungsstudien hin. Das Instrument ist nicht geeignet, um umfangreiche HTA-Berichte oder systematische Übersichtsarbeiten zu ersetzen.

 

METHODE

EVITA basiert auf einer indikationsbezogenen Bewertung des Wirksamkeits- und Risikoprofils eines Wirkstoffs gegenüber relevanten Alternativen (Tab. 2 - 4). Placebo ist als Komparator nur zulässig, wenn kein allgemein akzeptierter Standard existiert. Positive Punkte erhält ein Wirkstoff durch einen in randomisiert kontrollierten Studien nachgewiesenen Vorteil hinsichtlich Wirksamkeit oder unerwünschter Effekte, negative Punkte durch entsprechende Nachteile. Die Punkte werden entlang eines transparenten Algorithmus zugeteilt, wobei Patientenrelevanz der Zielgrößen (Abb. 1, Tab. 2), Anzahl unterstützender, nicht schlüssiger oder negativer Studien (Tab. 2), sowie die Effektstärke (Tab. 3) einfließen. Der EVITA-Gesamtscore spiegelt schließlich auch das Behandlungsziel (Therapie vs. Prävention) und die Schwere der Erkrankung wieder (Tab. 1). Das Vorliegen eines therapeutischen Standards sowie die Patientenrelevanz der Zielgrößen definieren ein Studiensetting (Abb. 1), anhand dessen der klinische Mehrnutzen beurteilt wird. Genügt die Studienlage nicht den Anforderungen, wird das Studiensetting „N/A" (nicht auswertbar) gewählt.
Zur raschen Orientierung wird das EVITA-Ergebnis mittels einer kontinuierlichen Farbskala (rot-gelb-grün) wiedergegeben, N/A-Situationen werden mit einem Halteschild-ähnlichen Symbol versehen, in dem ein Fragezeichen integriert ist (Abb. 1). Die Angabe der berücksichtigten und der als ungenügend eingeschätzten klinischen Studien gewährleistet die Transparenz der Bewertung.

Therapeutischer Standard
In EVITA wird, wo immer möglich, der therapeutische Standard aus der vorhandenen Datenlage evidenzbasiert abgeleitet. Leitlinien werden als Orientierung genutzt, welche Therapiemöglichkeiten bei speziellen Indikationen empfohlen werden. Der therapeutische Standard kann somit Leitlinien folgen, ein Exzerpt aus verschiedenen Leitlinien sein, aber auch davon abweichen.

Kombinierte Endpunkte
Kombinierte Zielgrößen, die sowohl aus patientenrelevanten wie auch aus surrogaten Endpunkten zusammengesetzt sind, werden bei den EVITA-Bewertungen nur dann als patientenrelevant eingestuft, wenn sich für die patientenrelevante Komponente eine Überlegenheit des zu bewertenden Wirkstoffs gegenüber dem Vergleichswirkstoff gezeigt hat. Nur in solchen Fällen resultieren A-Studiensettings.

 

Grundlagen und Erläuterungen zur EValuation Innovativer Therapeutischer Alternativen


- ARR-RRR-NNT Flyer
Zahlenspiele in der pharmazeutischen Werbung: Absolute (ARR) und Relative (RRR) Risikoreduktion

Endpunkte Flyer
Was sind eigentlich Endpunkte?

- Lebensqualität Flyer
Messbar oder nicht? Die Lebensqualität …

- Statistische_Fallen Flyer
Statistische Fallen und deren Kontrolle

- Bewertung publizierter Therapiestudien Flyer
Professionelle und stratifizierte Bewertung von Therapie-Studien

- Über-und-Nichtunterlegenheitsstudien Flyer
Ist die Innovation innovativ oder nicht? Die Sache mit der Überlegenheit

- Systematische Übersichten - Metaanalysen Flyer
Mehr als klinische Studien: Übersichtsarbeiten und Meta-Analysen

 

IM RAHMEN DER PROJEKTENTWICKLUNG BEWERTETE WIRKSTOFFE

Folgende in den letzten sieben Jahren in Deutschland zugelassene Wirkstoffe wurden im Rahmen der Projektentwicklung mit EVITA bewertet.

- Aliskiren
in der Indikation arterielle Hypertonie
(In Überarbeitung)

- Lenalidomid Flyer

in der Behandlung des refraktären oder relapsierenden Multiplen Myeloms bei Patienten, für die Dexamethason als einzige Therapieoption zur Verfügung steht
(Stand: Januar 2009)

- Zoledronsäure 5mg i.v./y Flyer
zur Behandlung der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen mit erhöhtem Frakturrisiko
(Stand: Januar 2009)

 

AKTUELLE BEWERTUNGEN


- Agomelatin
zur Behandlung von Episoden einer Major Depression bei Erwachsenen
Erstbewertung (Stand: Mai 2010) Flyer, Langfassung
Re-Evaluation (Stand: November 2012) Flyer, Langfassung

- Antithrombin alfa Flyer, Langfassung
zur Prophylaxe einer venösen Thromboembolie bei chirurgischen Eingriffen an Patienten mit erblich bedingtem Antithrombinmangel
(Stand: Dezember 2009)

- Bazedoxifen Flyer, Langfassung
zur Behandlung der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen mit erhöhtem Frakturrisiko
(Stand: August 2010)

- Colesevelam Flyer, Langfassung
zur Behandlung der primären Hypercholesterinämie
(Therapeutisches Ziel: Prävention kardiovaskulärer Ereignisse)
(Stand: Dezember 2010)

- Dabigatranetexilat Flyer, Langfassung
zur Primärprävention venöser Thromboembolien nach elektivem Hüft- oder Kniegelenksersatz
(Stand: August 2009)

- Dabigatranetexilat Flyer, Langfassung
zur Prävention von Schlaganfall und systemischer Embolie bei Erwachsenen mit nicht valvulärem Vorhofflimmern und weiteren Risikofaktoren
(Stand: April 2012)

- Denosumab Flyer, Langfassung
zur Behandlung der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen mit erhöhtem Frakturrisiko
(Stand: Juli 2010)

- Dronedaron
zur Ventrikelfrequenzkontrolle bei klinisch stabilen erwachsenen Patienten mit nicht-permanentem Vorhofflimmern
Erstbewertung (Stand: Juni 2010) Flyer, Langfassung
Re-Evaluation (Stand: November 2012) Flyer, Langfassung

- Dronedaron
zur Rezidivprophylaxe bei klinisch stabilen erwachsenen Patienten mit nicht-permanentem Vorhofflimmern
Erstbewertung (Stand: Juni 2010) Flyer, Langfassung
Re-Evaluation (Stand: November 2012) Flyer, Langfassung

- Febuxostat Flyer, Langfassung
zur Behandlung der chronischen Hyperurikämie bei Erkrankungen, die bereits zu Uratablagerungen geführt haben
(Stand: Juni 2011)

- Fentanyl Nasenspray Flyer, Langfassung
zur Behandlung von Durchbruchschmerzen bei Erwachsenen mit chronischen Tumorschmerzen
(Stand: März 2011)

- Fesoterodin Flyer, Langfassung
zur symptomatischen Behandlung der überaktiven Blase
(Stand: August 2009)

- Lasofoxifen Flyer, Langfassung
zur Behandlung der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen mit erhöhtem Frakturrisiko
(Stand: September 2009)

- Melatonin 2mg retardiert Flyer, Langfassung
für die Kurzzeitbehandlung der primären Insomnie bei älteren Patienten
(Stand: April 2010)

- Nicotinsäure+Laropiprant Flyer, Langfassung
zur Behandlung der primären Hypercholesterinämie oder kombinierten Dyslipidämie
(Therapeutisches Ziel: Prävention kardiovaskulärer Ereignisse)
(Stand: November 2010)

- Prucaloprid Flyer, Langfassung
zur symptomatischen Behandlung chronischer Verstopfung bei Frauen, bei denen Laxanzien
keine ausreichende Wirkung erzielen
(Stand: Juli 2011)

- Ranolazin
als Ergänzungstherapie zur antianginösen Therapie der Wahl
Erstbewertung (Stand: Juli 2009) Flyer, Langfassung
Re-Evaluation (Stand: Dezember 2012) Flyer, Langfassung

- Rivaroxaban Flyer, Langfassung
zur Primärprävention venöser Thromboembolien nach elektivem Hüft- oder Kniegelenksersatz
(Stand: Januar 2010)

- Rivaroxaban Flyer, Langfassung
zur Prävention von Schlaganfall und systemischer Embolie bei Erwachsenen mit nicht valvulärem Vorhofflimmern und weiteren Risikofaktoren
(Stand: Mai 2012)

- Roflumilast Flyer, Langfassung
zur Behandlung erwachsener Patienten mit schwerer COPD sowie chronischer Bronchitis und häufigen Exazerbationen in der Vorgeschichte
(Stand: Oktober 2011)

- Tapentadol retardiert Flyer, Langfassung
zur Behandlung starker chronischer Schmerzen bei Erwachsenen, die nur mit Opioidanalgetika behandelt werden können
(Stand: Juni 2011)


ABBILDUNGEN


Abbildung 1. Flussdiagramm des Entscheidungsbaumes, das zu den EVITA-Studiensettings führt


Flussdiagramme zu allen EVITA Studiensettings, in denen die Entscheidungspfade zu den verschiedenen Studiensettings hervorgehoben sind

 

Abbildung 2. Beispiele für EVITA-Farbskala


TABELLEN


Tabelle 1.

Tabelle 2.

Tabelle 3.

Tabelle 4.

 

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Verzeichnis allgemeiner und bei EVITA häufig verwendeter Abkürzungen

 

LINKS


Originalpublikationen

Püntmann I, Schmacke N, Melander A, Lindberg G, Mühlbauer B. EVITA: a tool for the early EValuation of pharmaceutical Innovations with regard to Therapeutic Advantage.
BMC Clinical Pharmacology 2010, 10:5. doi:10.1186/1472-6904-10-5. free text PDF

Presseinformation 04.06.2009

EVITA: Erste Bewertung von Arzneimitteln für Experten im Internet abrufbar (pdf)

Pressekonferenz 20.11.2007

Statement Melander
Statement Mühlbauer
Statement Schmacke
EVITA-TEAM

 

TEAM

Folgende Personen sind gegenwärtig am EVITA-Projekt beteiligt:

Prof. Dr. med. Bernd Mühlbauer
Dr. med. Isabel Püntmann
Dr. med. Hans Wille


KONTAKT

E-Mail:

 

Isabel Püntmann1 email, Norbert Schmacke2 email, Arne Melander3 email, Gunnar Lindberg3 email and Bernd Mühlbauer